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Einblicke in die Biodynamische Ausbildung - Juan Manuel Giraldo Duque
Vor dreieinhalb Jahren kam Juan aus Kolumbien nach Deutschland, um biologische Landwirtschaft in der Praxis kennenzulernen. In Kolumbien besuchte er eine Waldorfschule, arbeitete im Hotelbetrieb seiner Familie und entschied sich schließlich für die Landwirtschaft, die ihn schon früh begeistert.
Nach mehreren Semestern Agronomie-Studium an der Universität UNISARC bei Pereira, Kolumbien, absolvierte er eine technische Ausbildung in Veterinärmedizin. Mit der Zeit reifte in ihm der Entschluss, den Schwerpunkt auf die praktische Arbeit zu legen. Seit September 2025 lebt und arbeitet Juan auf Hof Luna, einem bio-dynamischen Betrieb mit Milchkühen, Ackerbau und Grünland sowie Streuobstwiesen zwischen Hannover und Göttingen.
Auf die Frage, ob es ein Thema gibt, das ihn in der Landwirtschaft besonders begeistert, antwortet Juan:
"Alles gehört zusammen, und ich liebe alle Themen.“
Juan, was begeistert dich an der biodynamischen Ausbildung in Deutschland? Wie hast du davon erfahren und warum hast du dich für Deutschland entschieden?
Ich habe eine Waldorfschule in Kolumbien besucht, die von einer deutsch‑kolumbianischen Familie gegründet wurde. Ich kenne die Nachkommen der Gründerfamilie und durch diese Verbindung habe ich zum ersten Mal von den von der biodynamischen Landwirtschaft und der Ausbildung gehört.
Im Jahr 2019 wurde ich eingeladen, einen biodynamischen Hof in Deutschland kennenzulernen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und diese Erfahrung war für mich wegweisend.
Deutschland ist für mich ein besonderer Lernort, weil die Anthroposophie hier tief in der biodynamischen Landwirtschaft verankert ist. Auch wenn Deutsch nicht meine Muttersprache ist, habe ich schnell verstanden, dass Lernen nicht nur aus Worten besteht. Die Erlebnisse, die unmittelbaren Erfahrungen und die Emotionen spielen eine zentrale Rolle.
Dein drittes Ausbildungsjahr wirst du auf dem Dottenfelderhof verbringen. Welche Ziele und Visionen hast du für deinen weiteren Weg in der Landwirtschaft?
Für mein drittes Ausbildungsjahr auf dem Dottenfelderhof möchte ich mein praktisches und wahrnehmendes Verständnis weiter vertiefen. Besonders wichtig ist mir, meine Sensibilität für den Boden und die lebendigen Prozesse, die ihn gestalten, zu stärken. Dazu gehört auch mein Interesse an Kompostierungsprozessen, die für mich eine wesentliche Grundlage einer gesunden Landwirtschaft darstellen.
Für die langfristige Zukunft habe ich noch keine feste Vision. Nach dem Abschluss meiner Ausbildung möchte ich den einjährigen Kurs auf dem Dottenfelderhof besuchen, um mich intensiver mit den Schriften Rudolf Steiners und dem inneren Verständnis der biodynamischen Landwirtschaft zu beschäftigen. Anschließend möchte ich einige Jahre auf einem biodynamischen Hof in Deutschland arbeiten, um meine Erfahrung zu vertiefen, in dem die Anthroposophie stark im landwirtschaftlichen Alltag verankert ist.
Was danach kommt, lasse ich bewusst offen. Eine Möglichkeit wäre, in Deutschland oder in einem anderen EU‑Land zu bleiben. Mein Traum ist aber, nach Kolumbien zurückzukehren und dort einen bio-dynamischen Hof mit Tieren und eigener Futterproduktion, dem Anbau von Obst und Gemüse und der Verarbeitung von hofeigenen Produkten aufzubauen. Aber auch einen Bereich für Forschung und Innovation kann ich mir vorstellen. Kontinuierliches Lernen, um meine Neugier zu nähren und Prozesse zu verbessern, sind mir wichtig. Für mich wäre dies der Weg zu einem lebendigen, vielfältigen und nachhaltigen Hoforganismus.
Das klingt sehr spannend. Alles Gute auf deinem weiteren Weg und vielen Dank für das Gespräch, Juan!
Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft fördert das Netzwerk Biodynamische Bildung schon seit vielen Jahren. Um die Landwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten, sind junge Menschen, die den Ökolandbaus in seiner ganzen Vielfalt lernen, von wesentlicher Bedeutung.