Symbolbild

Aktuelles

25.04.2024

Multiresistente Keime in Hähnchenfleisch – Jede dritte Probe betroffen

Im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe wurden in 2023 Hähnchenfleischproben aus konventioneller Landwirtschaft (Haltungsstufe 2) sowie aus Bio-Haltung verglichen. Jede dritte Fleischprobe aus konventioneller Haltung war mit antibiotikaresistenten Keimen belastet (11 von 35 Fleischproben). Von 30 Bio-Hähnchenfleischproben wiesen zwei antibiotikaresistente Keime auf (2 von 30 Fleischproben).

Reinhild Benning, Leiterin Landwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe, äußert sich wie folgt zu dem Ergebnis:

„In Deutschland stammen rund 90 Prozent der Masthühner aus qualvoller Turbozucht, der Großteil davon bekommt Antibiotika. Beim Verbrauch des Reserveantibiotikums Colistin steht Deutschland an dritthöchster Stelle in Europa – ein Armutszeugnis. Turbozucht und Antibiotikamissbrauch schaden zuerst den Tieren, dann uns Menschen. Die Ampelregierung hat im Koalitionsvertrag versprochen, Qualzucht zu identifizieren und eine Tiergesundheitsdatenbank zu etablieren. Passiert ist bislang gar nichts. […]“

Die Deutsche Umwelthilfe fordert den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung strenger zu regulieren und ein umfassendes Tierschutz-Programm umzusetzen. Auch der Lebensmitteleinzelhandel sollte Signale an die Lieferanten senden und verstärkt Fleisch aus den besseren Haltungsstufen 3 und 4 anbieten.

 „[…] Es ist aber wichtig zu wissen, bei welcher Haltung, Zucht und Fütterung die Tiere am wenigsten Medikamente benötigen. Was bessere Zucht und Haltung bringen, zeigt der Ökolandbau: Langsam heranwachsende Bio-Hähnchen sind robuster und brauchen nur in Ausnahmefällen Antibiotika.“, ergänzt Reinhild Benning.

Bei der Untersuchung wurde beim Kauf von Bio-Fleisch darauf geachtet, dass das Fleisch von langsam wachsenden Rassen stammt. Langsam wachsende Tiere weisen eine deutlich bessere Tiergesundheit auf, da diese schon bei der Züchtung der Rasse berücksichtigt wurde. Zudem sind die Haltungsbedingungen in der Bio-Landwirtschaftlich deutlich besser.

Auch ein MDR-Beitrag vom 13. März 2024 greift das Thema auf und berichtet über die Gefahr durch multiresistente Keime.

Gefahren durch Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung (Weiterleitung auf mdr.de)

Ausführliche Informationen zur Untersuchung finden Sie in der Stellungnahme der Deutschen Umwelthilfe. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft hat die Untersuchung mit 10.000 € gefördert. Schon in 2020 hat Germanwatch Hähnchenfleisch auf antibiotikaresistente Keime untersucht und auf das Thema aufmerksam gemacht.

Weitere Förderbeispiele aus der freien Projektförderung geben Ihnen einen Einblick in die Vielfalt an Themen, die wir dank zahlreicher Spenden unterstützen.

Pixabay/Congerdesign
Pixabay/Congerdesign

Weitere Neuigkeiten

Saatgut-Tagung 2024 als Feldtag am 15. Juni 2024

EU Parlament gefährdet Vielfalt und Wahlfreiheit

Multiresistente Keime in Hähnchenfleisch – Jede Dritte Probe betroffen