Aktuelles
Züchterportrait im April – Yann Isler
«Schnell hat mich das Zusammenspiel mit der Natur und das in der Züchtung konstante Aufkommen von Neuem fasziniert. Auch die Perspektive, einen aktiven Einfluss auf die Entwicklung einer neuen Sorte nehmen zu können, hat mir von Beginn an sehr gut gefallen.»
Im schweizerischen Kanton Solothurn liegt der Apfelzüchtungsbetrieb Poma Culta, geleitet von Niklaus Bolliger. Seit einigen Jahren wird er von Yann Isler unterstützt, der die Verantwortung für die Züchtung mit dem Generationswechsel übernehmen wird. Er berichtet im Folgenden von seinem Weg in die ökologische Pflanzenzüchtung.
Warum bist du ökologischer Pflanzenzüchter geworden?
Ich bin auf einem kleinen, ökologischen Landwirtschaftsbetrieb in der französisch-sprechenden Schweiz aufgewachsen und durfte so bereits als Kind die Landwirtschaft und insbesondere die Pflanzen «von nah dran» wahrnehmen. Auch wurde ich seit jüngstem Alter Zeuge, eines ökologischen Anbaus, der aus Überzeugung gemacht wird und konsequent mit der Natur arbeitet. Dieser Hintergrund hat meine Sicht auf die Welt – und ebenso auf die Landwirtschaft – stark geprägt und meinem Blickwinkel wohl sehr früh einen «öko»-Hauch verliehen. Nach einem ersten Teil Berufsleben, bei dem ich mich als Möbelschreiner mit der Holzbearbeitung befasst habe, verspürte ich vor fünf Jahren den Wunsch, meinen Wurzeln nachzugehen und statt Holz, den lebendigen Pflanzen – wieder – meine Aufmerksamkeit zu schenken. Im Rahmen und Parallel zu meinem 2022 angefangenen Agronomie-Studium, habe ich Poma Culta kennengelernt und begonnen da mitzuarbeiten. Über die vergangenen Jahre und jetzt bereits mehrere Vegetationsperioden durfte ich somit die wunderbare Welt der Apfelzüchtung an der Seite von Poma Culta-Gründer Niklaus Bolliger entdecken. Schnell hat mich das Zusammenspiel mit der Natur und das in der Züchtung konstante Aufkommen von Neuem fasziniert. Auch die Perspektive, einen aktiven Einfluss auf die Entwicklung einer neuen Sorte nehmen zu können, hat mir von Beginn an sehr gut gefallen. Nun freue ich mich riesig, dass ich mit beiden Füssen – aber einem nach dem anderen – in den Fußstapfen von Niklaus laufen und die Apfelzüchtung in gemeinsamer Gestaltung mit und für die Natur angehen darf. Dabei hoffe ich in den nächsten Jahren auf zahlreiche leckere, schöne, robuste Äpfeln beißen zu dürfen und diese spannende Kulturpflanze immer besser zu verstehen.
An welcher Kultur hast du zuletzt intensiv gearbeitet und was ist das Besondere an ihr?
Der Apfel ist sowohl meine erste Kultur, als auch die, mit der ich mich aktuell durch das Züchten intensiv befasse. Entsprechend habe ich keinen echten Vergleich aus eigener Erfahrung zu bieten. Aber, dass es sich dabei um eine Dauerkultur handelt, die mehrere Jahren benötigt, um fruchtbar zu werden, ist sicher ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Dazu, aufgrund deren genetischer Beschaffenheiten, ist die Vererbung der meisten Merkmale komplex. Kurz gesagt, man kann sich dabei bemühen möglichst viel in der Hand zu haben, das letzte Wort aber hat die Natur!
Ich schätze die Vielfalt innerhalb des Apfels sehr und die Tatsache, dass immer wieder schöne Überraschungen aus dieser Vielfalt zu erleben sind.
Welche Superkraft braucht man als ökologisch arbeitender Pflanzenzüchter?
Ich glaube, dass für die Ausübung ökologischer Pflanzenzüchtung die Superkraft auf dem Zusammenspiel verschiedener Eigenschaften und Fähigkeiten beruht. Dabei gibt es wohl nicht nur ein Rezept. Eine erforderliche Qualität in meinem Gebiet ist sicher eine quasi-unerschöpfliche Neugier. Die Neugier, die Pflanze so zu betrachten, um sie – so gut wie möglich – zu verstehen und das Verständnis, das wir von der Kulturpflanze haben, in Zusammenhang mit der Nutzung zu bringen. Zweitens würde ich Geduld nennen, weil insbesondere bei der Züchtung von Äpfeln, der Prozess sehr lang ist, wodurch die Apfelzüchtung nur langfristig angeschaut werden kann. Aber auch Geduld im Kleinen ist wichtig: häufig beziehen sich die Beobachtungen auf große Pflanzen-Stückzahlen, und jede Beurteilung soll sorgfältig und konsistent durchgeführt werden.
Schließlich, dank der Erhebung von Daten und aufmerksamer Beobachtungen wird der wichtigste Schritt in einem Selektionsprozess ermöglicht: das Selektieren. Als Züchter muss ich also mein Auge und meine Entscheidungsfähigkeit stets trainieren, sodass ich anhand der mir vorliegenden Erkenntnisse die interessanten Nummern von den – doch – nicht interessanten Nummern trennen kann. Ich muss mich zwingend von denjenigen trennen können, die nicht – oder zu wenig – taugen. Diese Entscheidungs- / Trennungsfähigkeit konsistent auszuüben, nehme ich als herausfordernd wahr.
«Last but not least» muss die Bereitschaft, mit der Natur zu arbeiten vorhanden sein – auch wenn das manchmal heißt, kleinere Rückschläge zu verkraften. Das große Bild zählt!