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Drei Fragen an Nora Hils
„Die Pflanzen interagieren mit ihrer Umwelt und ich als Züchterin habe die Aufgabe aufmerksam zu sein und ihr Potenzial zu erkennen.“
Die ökologische Pflanzenzüchterin Nora Hils arbeitet in einem ganz besonderen Bereich: der Entwicklung von Heilpflanzen, die biologisch angebaut werden. Dies tut sie für den Verein Hortus Officinarum, der sich auf diesen Bereich spezialisiert hat. Des Weiteren ist Nora für die Initiative Kultursaat e.V. in der biologisch-dynamischen Gemüsezüchtung tätig.
Warum bist du ökologische Pflanzenzüchterin geworden?
Schon während meiner Lehrzeit zur Gärtnerin begann ich mich für das Thema samenfeste Sorten in Verbindung mit Saatgutsouveränität zu interessieren. In der Praxis begann ich bereits meine ersten Selektionen und Züchtungsschritte.
Neben der großen gesellschaftlichen und politischen Bedeutung empfinde ich die Arbeit mit den Pflanzen im Bereich der Züchtung als eine besonders spannende Auseinandersetzung. Die Pflanzen interagieren mit ihrer Umwelt und ich als Züchterin habe die Aufgabe aufmerksam zu sein und ihr Potenzial zu erkennen.
Durch meine Selektionen beeinflusse ich die Entwicklung in die eine oder andere Richtung, wobei jede Selektion neue Überraschungen mit sich bringt. Somit ist auch meine Vorstellung von Selektion stets im Wandel und entwickelt sich weiter.
An welcher Kultur hast du zuletzt intensiv gearbeitet und was ist das Besondere an ihr?
Das Tausendgüldenkraut Centaurium erythraea ist eine wirkungsvolle Bitterstoffpflanze, die in der Medizin vor allem bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und als Tonikum verwindet wird.
Die besondere Herausforderung besteht in dem sehr langsamen Wachstum dieser zunächst unscheinbaren Wildpflanze, welche zudem mit der Überwinterung und anschließend mit Pilzbefall zu kämpfen hat. Erst im zweiten Anbaujahr zahlt sich die Mühe aus, wenn sich die Kultur in ein pink-rosa Blütenmeer verwandelt.
Die Kombination aus ihrem intensiven Bitterstoffgehalt und der zarten Blüte bildet eine besondere Mischung aus Feinheit und Stärke.
Welche Superkraft braucht man als ökologisch arbeitende Pflanzenzüchterin?
Ich denke, es kommt vor allem auf Durchhaltevermögen, Entscheidungsfreudigkeit und genaues Hinschauen an. Dabei ist es wichtig, sich nicht in den unzähligen Möglichkeiten und Potenzialen zu verlieren, sondern durch eine Kombination aus wissenschaftlicher Erhebung und Intuition gezielt Entscheidungen für die Auswahl zu treffen. Diese Entscheidungen gilt es in der nächsten Generation zu bewerten und die meisten davon großzügig wieder loszulassen um anschließend mit einer kleinen Auswahl an Favoriten weiterzuarbeiten.