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Nachruf Christine von Weizsäcker
(* 20. Februar 1944, † 16. Oktober 2026)
Christine von Weizsäcker engagierte sich in den ersten Jahren der Zukunftsstiftung Landwirtschaft im Stiftungsrat und hat sich u.a. für Biodiversität, Saatgut-Vielfalt und Gentechnikfreiheit eingesetzt. Der Leiter unseres Berliner Büros, Benedikt Haerlin, kannte sie seit fast 40 Jahren. Statt eines offiziellen Nachrufes möchten wir hier seinen Dank und die damit verbundene lebendige Beschreibung dieser großen Persönlichkeit, die viel bewegt hat, veröffentlichen.
Es war wohl 1987, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind, in Brüssel bei einer Veranstaltung zur Gentechnik, die ich damals für die Grünen im Europaparlament organisierte. Du sprachst über Fehlerfreundlichkeit als Erfolgs- und Innovationsrezept der Natur und als Imperativ nachhaltiger Entwicklung von Technologien, gegen den zu verstoßen die Ursünde der Atomtechnik sei, und vor der sich die Gentechnik unbedingt hüten sollte. Dein Mann, Ernst-Ulrich von Weizsäcker, warnte bei der Gelegenheit davor, nur vom Risiko der Fehlentwicklungen zu sprechen und dabei die Risiken des Erfolgs zu vernachlässigen. Ich war tief beeindruckt. Mein Unbehagen an dieser neuen Technologie war auf den Punkt gebracht.
Seither haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren und hat Dein guter Rat mich nie verlassen. Bei der Gründung des gen-ethischen Netzwerks, während der Enquete Kommission des Bundestages zur Gentechnik, bei den Verhandlungen des Cartagena Protokolls der Rio-Konvention für biologische Vielfalt (du hast keine einzige COP/MOP ausgelassen!), bei der Greenpeace Kampagne gegen die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen, als Stiftungsrätin der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und in allen Fragen von „Save Our Seeds“– immer war auf Dich und Deinen klugen Rat Verlass; auf wissenschaftliche Schärfe und politische Unbeugsamkeit, die zu Kompromissen fähig ist, ohne Prinzipien zu opfern. Du warst nicht nur für mich ein Vorbild, sondern vor allem auch für eine ganze Generation von Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen, deren feministische Kritik am patriarchalen Herrschafts- und Machbarkeitswahn den Kern unserer ökologischen Bewegung und Aufklärung der vergangenen Jahrzehnte ausmacht. Zwischendurch aber erschien zwischen dieser Klarheit und Wahrheit noch die Schamanin, die Du in meinen Augen ganz zweifellos auch warst, und die dem unerklärlichen Rest, der Ur-Liebe und der kosmischen Gewissheit und Gelassenheit einen ganz besonderen Ausdruck gab, den ich stets bestaunt habe.
Danke Christine, dafür, dass Du dagewesen bist und mein tiefes Beileid an Deinen wunderbaren Mann, mit dem Du ein wirkliches Gesamtkunstwerk gebildet hast
und immer bilden wirst. Mein Beileid auch an Deine ganze Familie und Nachkommenschaft.
Dein Benny