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06.03.2026

Weltfrauentag 2026

Zum Weltfrauentag am 08. März haben wir in den vergangenen Jahren die Perspektive von Frauen in der Landwirtschaft in den Mittelpunkt gerückt.

Weltweit sind Frauen eine tragende Säule in der Landwirtschaft. In vielen Ländern mit kleinbäuerlichen Strukturen stellen sie einen großen Teil der Arbeitskräfte. Sie säen, pflanzen, ernten, versorgen Tiere und verarbeiten und vermarkten die Ernte. Die Sorgearbeit für die Familien und die Gemeinschaft werden meistens zusätzlich geleistet.

Gleichzeitig haben Frauen vielerorts weniger Zugang zu Land, Krediten, Bildung oder politischen Entscheidungsprozessen. Wo sie jedoch gleichberechtigt Zugang zu Ressourcen erhalten, steigen Erträge, Einkommen und Ernährungssicherheit messbar. Studien zeigen, dass die Stärkung von Landwirtinnen ein zentraler Hebel gegen Hunger und Armut ist1.

In diesem Jahr schauen wir auf die, die rund um eine zukunftsfähige Landwirtschaft tätig sind. Mit einer Frauenquote von 70 Prozent werfen wir als Zukunftsstiftung Landwirtschaft daher einen Blick in die eigenen Reihen.

Franziska Achterberg ist politische Leiterin des Berliner Kampagnenbüros der Zukunftsstiftung Landwirtschaft „Save Our Seeds“. Hierbei handelt es sich um ein Kompetenzzentrum der gentechnik-kritischen zivilgesellschaftlichen Bewegung in Europa. Franziska war 13 Jahre bei Greenpeace und befasste sich dort unter anderem mit Gentechnik und Pestiziden. Bevor sie 2024 zu Save Our Seeds kam, war sie vier Jahre lang für die Fraktion der Grünen/EFA im Europäischen Parlament tätig. Dort beschäftigte sie sich mit Fragen der biologischen Vielfalt, einschließlich Gentechnik, Wälder und Meere.

Liebe Franziska, welche Erfahrungen haben dich in den Bereichen Gentechnikfreiheit und biologische Vielfalt politisch tätig werden lassen? Hattest du weibliche Vorbilder?

Mein Werdegang lässt sich gar nicht so leicht erklären. Irgendwie ergaben sich immer neue Betätigungsfelder und Initiativen. Nach dem Studium der Linguistik zog ich zu meinem Partner nach Belgien und landete nach Umwegen – eigentlich aber folgerichtig – in der Europapolitik. Mit Landwirtschaft oder Artenschutz hatte ich lange nicht viel zu tun, bis meine Vorgesetzten bei Greenpeace beschlossen, dass ich – nach Verkehr und Energie – unsere Kampagnen in diesem Bereich weiterentwickeln sollte. 

Meine Tage füllten sich schnell, denn quasi unmittelbar nach dem Wechsel landete die WHO-Einstufung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ auf unserem Tisch – und damit eine neue Gelegenheit, die EU-Zulassung dieses unsäglichen Unkrautvernichters zu torpedieren. Daraus wurde eine mehrjährige Kampagne, die in der Übergabe von einer Million Unterschriften an die EU-Kommission gipfelte. Dann wurde die Gentechnik immer wichtiger, denn die EU-weite Deregulierung von CRISPR-Pflanzen bahnte sich an.

Meine weiblichen Vorbilder? In unserem europäischen Greenpeace-Büro gab es viele starke Frauen, die sich gegenseitig inspiriert haben. Auch beim Thema Landwirtschaft sind – nicht nur in der Zukunftsstiftung – viele Frauen unterwegs, darunter auch besonders umtriebige wie Nina Holland und Claire Robinson, von denen ich viel gelernt habe.  

Frauen in der Landwirtschaft haben nach wie vor Tag für Tag um Anerkennung ihrer Arbeit zu kämpfen. Wie ist das bei dir, hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

In den meisten Zusammenhängen, in denen ich unterwegs bin – bei der EU, bei der UN-Artenschutzkonvention CBD oder der Weltnaturschutzunion IUCN – arbeite ich mit anderen Frauen zusammen. Die Anerkennung geben wir uns gegenseitig, gar kein Problem! 

Welche Botschaft kannst du anderen Frauen mitgeben, die sich politisch für eine zukunftsfähige Landwirtschaft einsetzen möchten?

Das Thema Gentechnik ist ein hartes Brot. Ständig muss man sich mit neuen Technologien befassen und zusehen, wie die Politik sie schon deswegen hofiert, weil sie … einfach neue Technologien sind! Immer wieder müssen wir uns anhören, dass die Gentechnik – in ihrer jeweils neuesten Ausformung – die Probleme der Menschheit – Hunger, Klimawandel und Artenschwund – lösen wird. 

Was mir Mut macht, sind Menschen, die wirklich gesundes Essen auf den Tisch stellen und dabei Böden und Artenvielfalt schützen. Wenn diese Menschen uns dann noch helfen, die Gentechnik einzuhegen – wie die beiden bayrischen Bäuerinnen Pola und Nicole – dann werden sie für mich zu Heldinnen!    

Pola Krenkel und Nicole Schmitt sind zwei junge Bäuerinnen aus Bayern, die „mit Herz und Verstand“ ökologische Landwirtschaft betreiben. Sie haben eine WeAct-Petition gestartet, die von mehr als 140.000 Menschen unterstützt wurde. Und dann sind sie extra nach München und Berlin gefahren, um diese Petition an die Entscheidungsträger zu übergeben! Pola wurde sogar für die taz interviewt. Vorher gab es schon eine ähnliche Initiative von Barbara Endraß – ebenfalls eine Frau und Bäuerin. Zufall? Ich weiß es nicht, aber das sind großartige Frauen! 

Diesen und anderen wunderbaren Bäuerinnen meinen besonderen Glückwunsch zum Internationalen Frauentag!

 

1 The status of women in agrifood systems, FAO 2023
 

In den Jahren 2024 und 2025 haben wir mit Landwirt*innen zum Thema Weltfrauentag gesprochen.
Zukunftsstiftung Landwirtschaft: Weltfrauentag 2024
Zukunftsstiftung Landwirtschaft: Weltfrauentag 2025

Eine braunhaarige Frau schaut ernst in die Kamera
Franziska Achterberg; Foto: Privat
Zwei junge Frauen halten Plakate ihrer Petition hoch
Nicole Schmitt und Pola Krenkel (v. l.); Foto: Nick Jaussi

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