Bauernproteste - und was das eigentliche Problem ist!
Seit einigen Tagen ist das Bild blockierender Trecker und LKWs omnipräsent, und die Stimmen für und gegen die damit einhergehenden Proteste sind oftmals laut. Was jedoch bei näherer Betrachtung auffällt: Es geht bei weitem nicht „nur“ um Subventionsabbau und Agrardiesel. Es wird vielmehr das tieferliegende Problem eines insgesamt auf falschen Prämissen aufgebauten Agrarsystems deutlich.
Schon der von Kanzlerin Merkel und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Auftrag gegebenen Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL, 2021) hat festgestellt, dass das landwirtschaftliche System aktuell weder ökologisch noch ökonomisch und sozial zukunftsfähig ist. Dass die Erzeugung von Lebensmitteln mit Umwelterhaltung und -schutz einhergehen muss, ist deutlich zu benennen und eben keine selbstverständliche Folge des Systems. Ein weiterer Systemfehler ist der Anspruch, dass Lebensmittel zu Tiefstpreisen angeboten werden sollen. Wenn jedoch Wertschöpfung und Wertschätzung (z.B. durch faire Preise) nicht Hand in Hand gehen, werden Landwirt*innen nicht in der Lage sein, ihre Betriebe auf eine nachhaltige und klimaschonende Art und Weise zu führen. Damit bleiben sie abhängig von Subventionen, die zum einen meist große, einseitig ausgerichtete Betriebe bevorteilen und zum anderen oftmals eine falsche, weil umweltschädliche Lenkungswirkung entfalten.
Die Bauernproteste sind als Weckruf zu verstehen, den längst fälligen Transformationsprozess hin zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft endlich ernsthaft anzugehen!
Denn man weiß was zu tun ist! Durch die Abschlussberichte der Zukunftskommission Landwirtschaft und der Borchert-Kommission liegt seit drei Jahren vor, was notwendig ist. Diese beiden elementaren Papiere wurden im Konsens von vielen Interessengruppen (Landfrauen, konv. Bauern, Bio-Bauern, Umweltschützer, Naturschutzverbände etc.) abgestimmt.
Nutzen wir daher die Gunst der Stunde! Ändern wir, Bauern, Bäuerinnen und Verbraucher*innen gemeinsam das veraltete Agrarsystem. Es braucht einen neuen Gesellschaftsvertrag für die Landwirtschaft!
Am Montag, dem 15. Januar um 20 Uhr lädt der Genossenschaftsladen Grüne Perle, u.a. mit der Betriebsgemeinschaft Hof Sackern GbR zum gemeinsamen Austausch über das Thema ein. Veranstaltungsort ist das Café Leye in Witten.
Weitere Informationen zum Thema:
- 6-Punkte-Plan der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
- Stellungnahme der Betriebsgemeinschaft Hof Sackern
- Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft
Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft stellt sich klar gegen jedwede rechtsradikale Unterwanderung der Proteste. Unsere Demokratie ist – genau wie Natur und Umwelt – nachhaltig zu behandeln. Engagieren Sie sich daher weiterhin achtsam, demokratisch und friedlich für einen ökologisch und sozial gerechten Wandel!